Dienstag, 14. Februar 2017

ONE BILLION RISING

"1 in 3 women across the planet will be beaten or raped during her lifetime. That’s ONE BILLION WOMEN AND GIRLS. Every February, we rise – in hundreds of countries across the world – to show our local communities and the world what one billion looks like and shine a light on the rampant impunity and injustice that survivors most often face.  We rise through dance to express joy and community and and celebrate the fact that we have not been defeated by this violence. We rise to show we are determined to create a new kind of consciousness – one where violence will be resisted until it is unthinkable.
THIS YEAR, WE ARE RISING IN SOLIDARITY AGAINST THE EXPLOITATION OF WOMEN."

Bevor ich nach Indien kam, hatte ich zwar schon von One Billion Rising (OBR) gehört, aber mich erst stärker damit beschäftigt, als Caterinas Mutter zu Besuch kam und fragte, ob NOSKK auch ein Programm zum One Billion Rising Tag hat. Gestartet hat die Idee mit einer Kampagne am 14.02.2012, ein Jahr später, am Valentinstag 2013 kamen Millionen von Menschen aus der ganzen Welt zusammen und zelebrierten unglaublich groß den Tag gegen Gewalt an Frauen.
Seit dem wird jedes Jahr in allen größeren und auch einigen kleineren Städten überall auf der Welt gemeinsam gefeiert und besonders getanzt. Der Tanz "Break the chains" steht dabei immer mit auf dem Programm.
Unsere Chefin hatte ziemlich gut auf den Vorschlag reagiert, dass NOSKK auch an dem Programm teilnehmen und etwas organisieren sollte. Und den Kontakt zu den Organisatoren hergestellt. Die NGOs "Swayam" und "Azaad" planen größtenteils den One Billion Rising-Tag in Kolkata, weshalb diese für uns die nächsten Ansprechpartner wurden.
Letzte Woche haben wir an einem Preparationmeeting teilgenommen und  ich war begeistert, dass die beiden Hauptkoordinatorinnen besonders auf den pünktlichen Beginn des Meetings und des Programms heute im Auge hatten. Und auch sonst war für mich die Zusammenarbeit ziemlich toll, zumal Caterina und ich unsere Ideen und Gedanken sehr gut einbringen konnten. Nach einem Blick auf das Programm war für mich klar, dass ich besonders gerne das Facepainting übernehmen würde und das habe ich dann auch gemacht, nachdem der ganze Platz geschmückt und dekoriert war.
Neben dem TShirt mit dem OBR-Logo nehme ich alleine vom Set-up die Erfahrung mit, hier mal nicht mit einer besonderen Stellung bedacht zu werden, sondern einfach als eine der vielen Freiwilligen, die sich für das vormittagige Aufbauen gemeldet haben.

Von dem Programm selbst habe ich teilweise nicht ganz so viel mitbekommen, einfach weil ich ein Gesicht, Arm oder Hals nach dem anderen bemalt habe....
Aber ich hatte mal mehr oder weniger interessante und nette Leute vor mir sitzen, die sich alle begeistert haben bemalen lassen. Auch wenn ich am Ende und zwischendurch ein bisschen verrückt und müde von dem ganzen Bemalen geworden bin, hat es dennoch Spaß gemacht.
Und die Atmosphäre war einfach toll. Vergleichbar mit einer Sommerfeststimmung, aber die Programme, wie das Poster machen haben tolle Sachen hervorgebracht. 
Außerdem gab es auch auf der Bühne eine unmenge an Sachen, die gezeigt wurden.  Und die Sachen, die ich gesehen habe, waren super.
Caterina hat sich als erste bemalen lassen und mir dann die ersten, noch schüchternen Menschen geschickt und dann gaaanz viele Fotos gemacht.
Für mich wurde es besonders unvergesslich, als es langsam dunkel wurde und die Studenten des Bishop´s College, auf dessen Gelände das ganze stattfand, den Tanz "Break the Chains" als Flashmob gestartet haben und alle getanzt haben. Ob jetzt genau die Tanzschritte aus der Choreo oder nicht, war total egal. Es wurde getanzt, sich gefreut und neues ausprobiert. Neben dem Durchtanzen des eurythmischen Alphabets habe ich mit männlichen Indern getanzt. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber bisher habe ich es immer nur erlebt, dass Männer/Jungs und Frauen/Mädchen nicht gemeinsam am gleichen Platz oder strickt getrennt tanzen.
Und plötzlich habe ich das Gefühl der totalen Zusammengehörigkeit bekommen. Hier haben sich Menschen versammelt, größtenteils Frauen, aber auch viele, viele Männer, die gegen Gewalt gegenüber Frauen auf die Straße gehen. Sie tanzen gemeinsam und tanzen verbindet.
Gerade wenn man sich die Berichte/Posts/etc. zu den unterschiedlichsten Städten anschaut, wird zu jeder Stadt ein kleiner oder großer Ausschnitt des "Break the Chains"- Tanzes gezeigt.
Ich weiß nicht genau, ob sich aus dem Geschriebenen ergibt, wie besonders der Tag für mich heute war. Und wie lange ich ihn in meinem Erinnerungen tragen werde. Aber ja, er gehört für mich zu den Top-Ten-Tagen bisher hier:)
Alles Liebe, eure Emmy:)

Die Tänzerinnen kamen zu Beginn dran:)

Die Secretary der South Indian Women´s Commision, eine tolle Frau!


Die Bühne mit Tänzen


 
Ein tolles Mädchen, welche auch bei NOSKK Tanzstunden für Mädchen gibt und zu wichtigen Themen ausdrucksstarke Tänze macht.

 Ohne Worte...

Postermaking

Tief in die Arbeit versunken;)

 Love, love, love

Sonntag, 5. Februar 2017

Mein Leben gerade



"I discovered there was a rhythm to the streets and beauty in the chaos..."


So, nachdem sich alles wieder ein bisschen eingelebt hat, vorallem die Tatsache für mich, dass ich nur noch etwa sechs Monate hier habe. Dank der überraschend schnellen Ausstellung meines Visas...
Aber was soll ich tun, als das Beste aus den nächsten Monaten rauszuholen:)

Mein Alltag wird oft und immer wieder gerne umgeschmissen, das heißt, dass wir auf der einen Seite Montag, Dienstag, Freitag und Samstag in zwei Schulen gehen, aber auch das ist nichts absolutes festes. Gestern war ich zum Beispiel nicht in der Schule, sondern habe meine Chefin auf ein Meeting begleitet, was sich vorallen mit den Goals 3, 4 und 5 der Sustainable Development Goals (SDGs) befasst hat. Also die Organisation, die hinter dem Meeting stand, arbeitet besonders für die Umsetzung der drei Goals.

Dort habe ich, wie schon so oft, wahnsinnig interessante Menschen, die ich zum Teil schon aus Delhi kannte, oder neu kennenlernen durfte. Leider ist meine Chefin recht oft auf solchen Meetings, weshalb sie dann auch sehr bald zum Aufbruch gedrängt hat. Danach haben wir der Internationalen Kolkata Bookfair einen Besuch abgestattet und mir ist plötzlich bewusst geworden, dass ich noch nie so wirklich nur mit meinen Mitarbeitern ohne Caterina unterwegs. Schön, aber irgendwie auch schräg, da Caterina und ich sonst 24/7 die Zeit miteinander verbringen.

Ansonsten haben wir nach wie vor mehr oder weniger die Klassen, die wir sozusagen von uns aus anbieten. Aber für die sollten wir wohl wieder ein bisschen mehr Werbung machen. Denn sonst ist es so wie heute, dass zwar 4-7 Klassenangebote offen sind, aber niemand erscheint...
Aber ich kann mich meist ganz gut auf meine Klasse um fünf verlassen, aber besonders deshalb, weil die fünf jungen Männer ihr Englisch verbessern wollen. Die der Leichtigkeithalber untereinander kein Englisch sprechen, sondern Bengali. Aber hey, Caterina und ich könnten auf jeden Fall mehr oder nur Englisch miteinander reden und auch mehr und mehr Bengali, aber Deutsch ist dann doch meistens einfach zu verlockend einfach.

Und wenn keine Klassen auf dem Programm stehen, lerne ich gerade sehr viel Bengali. Mir macht es gerade ziemlich viel Spaß und ich kann manchmal einzelne Wörter aus Gesprächen rausfiltern und ahnen, von welchem Verbstamm das konjugierte Verb abstammen könnte. Außerdem würde ich am Ende gerne ein Gespräch führen können, was über `Wie geht es dir?´ und `Wie heißt du?` hinausgeht.

Außerdem haben wir noch vor, ein kleines Werbevideo für NOSKK zu drehen und zu schneiden und auch die Fotos für die Website zu erneuern. Wobei gerade beim letzteren Caterinas Photoshopkenntnisse die meiste Arbeit erledigen werden, ich werde daneben sitzen und `gute`Ratschläge geben ;)
Auch wenn sich der Alltag stehts wieder ändern kann und wahrscheinlich auch noch wird, haben wir viele Aufgaben, neue und alte, die für mich persönlich ganz gut klingen. Auch wenn ich mit meinen eigenen Englischkenntnissen gerade hadere und deshalb die anderen Englischklassen eher Caterina zuschiebe.
Theoretisch ist geplant, dass wir bei einem Beautykurs am Samstag irgendwas unterrichten sollen. Ich glaube Mehendi malen (Henna), aber da weiß ich noch nicht genau, wann, wie und wo das stattfinden soll... Denn Samstags ist es hier alles andere als leer...

Ansonsten kann ich mich echt nicht beklagen. Außer vielleicht, dass mir ein Schwimmbad/See oder irgendwas wo man drin schwimmen kann, fehlt. Aber es gibt schlimmeres. 
Caterina kann nun Scootyfahren und so darf ich auf den vielzähligen Marktbesuchen hintendrauf sitzen und mich müde des Lebens freuen.


Kuchencreme im Gesicht gehört wohl zu jeder Geburtstagsparty dazu:)


Spaß mit den Mitarbeitern kann man eigentlich immer haben, oder ein Badmintonspiel am Abend...


Es gehört eigentlich in den letzten oder vorletzten Blogeintrag, aber es war einfach zu schön:)


Unser Hochzeitsgeschenk für eine befreundetete Mitarbeiterin war ein Tag mit viel Essen in Kolkata:)


Besagter Mitarbeiterin darf vor der Mehendibemalung der Hände noch schnell telefonieren, ich esse mal wieder...


Leider nicht unsere eigenen Saris, aber wir können nun erklären, wie unser nächster Sari aussehen sollte:)


Brüderchen, komm hau dich mit mir....:)


Sonntag, 15. Januar 2017

Hyderabad in 6 Tagen, Kolkata ein Leben lang

In einem lauschigen Plätzchen, der sich die Abhaya Waldorf School nennt, in Hyderabad, erwachte meine Motivations und meine Anfangsenergie von Neuem.
Das Zwischenseminar fand in dieser Schule statt, die neben zwei weiteren Waldorfschulen zu den größeren in Hyderabad gehört, zwei kleinere gibt es auch noch.
In Kolkata ist eine Waldorfschule irgendwie unvorstellbar... Warum weiß ich auch nicht genau. 
Wahrscheinlich ist Kolkata zu chaotisch, zu laut und vieles mehr, als das dort eine zarte Blume ( die aufzubauende Schule) Bestand hätte. Für mich ist Kolkata perfekt, so wie es ist. Nagut,es könnte vielleicht ein paar mehr Sachen geben, die man machen kann, aber ansonsten ist diese Stadt echt toll.
Und ein zíemlicher Kontrast zu dem Gelände der Abhaya School.
So befanden sich schließlich 20 Freiwillige mit zwei Teamern in der Schule ein und wir Freiwilligen waren ganz begeistert von dem leckerem Brot und dem richtigen Käse, den unserer Seminarleiter mitgebracht hatte.
Das Essen war sowieso super!
Es gab immer in Küchenteam von uns, welches aber eigentlich nur morgens wirklich etwas tun musste, um das Frühstück vorzubereiten. Mittags und abends haben wir dann lediglich das Essen an die Essensstelle bringen müssen, da wir sehr, sehr gut und abwechslungsreich bekocht wurden.
Sogar am letzten Abend, für den wir selbstgemachte Pizza im zur Schule gehörigen Pizzaofen machen wollten, wurde nicht nur der Ofen schon angeheizt, sondern auch der Teig gemacht und der Belag (Gemüse) kleingeschnippelt.
Dadurch hatten wir mehr Zeit für Gespräche in größeren und kleineren Gruppen, zum Erarbeiten von gewissen Materialien (Mit kolonialen Grüßen) und um all das Aufzunehmen, was die anderen bisher erlebt und zu berichten hatten.
Alles in allem habe ich unglaublich viel mitgenommen. Zum einen neue Ideen, wie es für mich bei NOSKK weitergehen kann, ohne das ich geradewegs auf ein erneutes Tief zusteuere und zum anderen, durch die Erfahrungsberichte auch Lösungen für Probleme, die bisher noch nicht aufgetaucht sind und das hoffentlich auch nicht tun werden.

Ich hab so vieles überdacht und bemerkt, wie dankbar ich für meinen Platz bei NOSKK bin und besonders für die Menschen, denen ich hier begegne. Die mich/uns in ihre Arbeitsgemeinschaft aufnehmen und uns unglaublich viele Freiheiten geben, was die Arbeit betrifft. Und uns schon nach wenigen Tagen vermissen und uns mit leuchtenden Augen zurück begrüßen.

Wir müssen jetzt ein bisschen planen und gucken, wie es weitergehen wird und vor allem, wo die nächste Reise hingehen wird. Denn das hat das Zwischenseminat auch geweckt, zu reisen und vielleicht sogar die lieben Mitfreiwilligen zu besuchen oder zu treffen.

In diesem Sinne verabschiede ich mich wieder, ich verspürte nur das Bedürfnis ein wenig über das Seminar zu berichten;)

Freitag, 13. Januar 2017

Drei Menschen, zwei Motorräder und rund 400km

Das erste Mal Urlaub.
Na gut wohl eher eine kleine Schnapsidee, die theoretisch auch umsetzbar gewesen wäre, aber es ist ein bisschen naiv zu glauben, dass man nach 3 Stunden "Schlaf", einem zweistündigen Flug von Kolkata nach Hyderabad noch in der Lage ist, an einem Tag rund 400 Kilometer mit dem Motorrad zufahren.

Man sieht, wer die Begeistertere von uns beiden ist;)


Wir (Linus, Caterina und ich) wollten vor unserem Zwischenseminar in Hyderabad noch einen kleinen Urlaub in Hampi anhängen. Allerdings hat alles ein bisschen länger gedauert als gedacht, was das Motorradausleihen betrifft, und dann waren wir auch irgendwann recht müde. Wir waren zwar gerade erst außerhalb von Hyderabad aber haben die Weiterfahrt dann auf den nächsten Tag verschoben.

 


Mit zwei Royal Enfields ging es dann über einige sehr sehr gute und sehr sehr holprige Straßen nach Hampi, wobei Caterina als menschliches Navi fungierte, ohne welches Linus und ich, als Motorradführer, nicht ans Ziel gelangt wären.
Die Landschaft war unglaublich. Natürlich gab es Stellen mit besonders vielen Fabrikgeländen, an denen man nicht unbedingt vorbei muss, besonders wegen der "Speedbreakern" alle 100m.



Aber ansonsten war es unglaublich. Manchmal hatte ich fast das Gefühl, als würde ich durch ein anderes Land fahren, einfach weil ich Hügel oder Berge einfach nicht mehr gewohnt bin. Außerdem war es deutlich trockener als bei uns, weshalb wir häufig durch Landschaften mit viel Sand und großen Gesteinsbrocken fuhren. Schwer zu beschreiben und für mich manchmal auch ziemlich magisch und fast wie im Traum. Ein Weg, den es auf jeden Fall wert ist, gefahren zu werden. Trotz der guten Enfields tat mir irgendwann der Pops weh und ich war froh, als Caterina verkündete:
"Nur noch 33 Kilometer."
Gerade das letzte Stück war wunderbar zu fahren, die Straße schlängelte sich zwischen verschiedenen Bergen hindurch und durch die Dunkelheit konnte ich die immer wieder angeleuchtete Umgebung bewundern und die Kilometer flogen so dahin. Schließlich hatten wir alle die Stille Vermutung, dass wir vielleicht doch komplett falsch gefahren sind, da wir auf plötzlich an Tempeln vorbeifuhren und schließlich auf einem großen Platz vor einem solchen landeten. Schnell war klar, dass wir es doch geschafft hatten und uns endlich um eine Unterkunft kümmern konnten.
Hampi ist eine bei Touristen sehr beliebte Stadt und lebt größtenteils nur vom Tourismus, aber anders als Delhi sind die Bewohner unglaublich lieb und nett und offen. Sie haben ihre Freude an neuen Gesichtern, genauso auch an altbekannten natürlich.

Auf die Felsberge kann man klettern und die Aussicht genießen:)

Es ist ein perfekter Ort um einfach zu sein, man kann auf der einen Seite die netten Restaurants genießen und auf der anderen Seite die vielfältige Landschaft drumherum erkunden. Da Hampi eine alter Herrschaftssitz eines vergangenen Königreichs ist, werden viele alte Tempelanlagen gefunden und ausgegraben und dadurch wird wiederum der Tourismus gefördert.

Die Aussicht;)


Oder die;)

Genau vor dem Tempel kamen wir an.

Müde aber glücklich:)

Eine flinke Klettercata;)


Für mich persönlich waren diese 4 Tage wunderbar. Neben Strapazen und unschöneren Momenten, gab es viel Gelächter, neue Bekanntschaften mit Touristen und Indern gleichermaßen, welche häufig verwundert guckten, als ich meinen Helm absetzte und klar war, dass ich ein Mädchen bin UND Motorrad fahre. Die Sonnenstrahlen wurden nicht mehr durch den Smog gelindert und meine Handoberflächen bekamen einen Sonnenbrand. Aber hey ich würde es immer wieder genau so tun. Obwohl, ich würde mehr Zeit für den Weg einplanen und dann auch länger als nur einen ganzen Tag und zwei Nächte in Hampi bleiben:)


Wir wussten nicht so ganz, was in dem Fluss alles lebt, weshalb wir auf das Badengehen verzichteten.....
Für einen Tag gab es eindeutig zu viele schöne Sachen, die man in Hampi sehen sollte....


Zudem das Gefühl, früh morgens, in der Kälte aufzubrechen, durch ein erwachendes Land zu fahren, um nach so ziemlich genau 12 Stunden unterwegs sein, wieder in Hyderabad anzukommen.
Mit Chaipausen am Straßenrand mit Bananen und Toast hätte ich ewig unterwegs sein können.

  

Ich weiß nun natürlich nicht, ob ich dem Urlaub durch diesen Eintrag Tribut zahlen kann, aber wir sind heute erst aus Hyderabad wiedergekommen und ich muss mich noch ein bisschen dran gewöhnen, wieder hier zu sein. 

Die Gedanken sind überall und nirgendwo, der Kopf sowieso.

Zum Zwischenseminar kommt vielleicht noch etwas, vielleicht auch nicht, aber ich hänge noch ein paar Bilder von dem Mitarbeiterpicknick von NOSKK an, welches wir am 31.12.16 gehabt haben.



Zwei wunderbare Mitarbeiterinnen, von denen die linke bald heiraten wird...


"There will always be room in my house,
because there will always be a place in my heart for you."


Montag, 26. Dezember 2016

Bald vier Monate Indien

Viel, viel ist passiert.
Ich habe mein erstes Weihnachten weit weg verbracht und auch eine Woche hier, ohne Caterina gelebt.
Warum? Caterinas Mutter ist Anfang Dezember für zwei Wochen zu besuch gekommen, eine hat sie hier verbracht, um unser Leben hier kennenzulernen. Die andere Woche sind die beiden gemeinsam gereist.
Ich fand den Besuch ganz spannend, zum einen, weil ich Caterina erleben konnte wie sie ist, wenn sie sozusagen mit ihrer Familie zusammen ist. Und zum anderen wurden uns neue Denkanstöße gegeben und man hat die gewohnten Sachen nocheinmal überdacht, weil jemand, dem die noch fremd waren, sie das erste Mal erlebt oder gesehen hat.
Außerdem hatte ich durch die Woche alleine hier die Möglichkeit, unsere Mitarbeiter alleine zu begegnen. Das war irgendwie sehr schön. Ich habe einige lustige Momente mit meiner Hausmutter gehabt, da auf einmal nur noch zwei Personen zusammen gegessen haben statt drei oder vier.. Und ich habe recht viele Beiträge für die Facebookseite geschrieben und unteranderem ein "Blood Donation Camp" besucht und einige Worte zu der Wichtigkeit von Blutspenden gesagt. Und infolge des Camps meinen ersten Award bekommen. Hier werden ganz gerne kleine, goldene Plastikpokale verteilt;)
Wäre der Adventskalender nicht gewesen, hätte ich wahrscheinlich gar nicht an Weihnachten oder die Adventszeit gedacht, aber so hatte ich eine kleine tägliche Erinnerung an Zuhause zum einen und an das kommende Fest zum anderen. Aber den jeweiligen Adventssonntag habe ich zum Beispiel total vergessen und mit Schrecken feststellen müssen, dass dieses Jahr wirklich weder ein Lebkuchenhaus gebaut wird, noch ein weihnachtlicher Schwimmbadbesuch ansteht. Anstelle des Schwimmbadbesuches am 24. habe ich eine heiße Dusche genossen (wir haben erst vor ein paar Tagen den Warmwasserschalter entdeckt;)). Caterina und ich hatten mit Linus und auch dem zukünftigen Boss von Linus in Indien ausgemacht, dass wir gemeinsam einkaufen und dann kochen werden. Das Einkaufen hat sich sehr lustig gestaltet, einfach weil wir in einem Laden waren, wo man sehr kontinental einkaufen kann und wir das Meiste des Gesuchtem auch bekommen haben. Für die Lasagne gab es leider keinen Spinat, deshalb gab es dann eine Blumenkohl-Mais-Lasagne mit VIEL Käse:) Und dazu Auberginen-Tomaten-Gemüse und Kartoffeln. Und zweierlei Nachtisch:)
Also alles in allem ein Weihnachtsessen, was sich sehen lassen konnte. Dazu noch Bier und Wein und ich hatte einen wunderbaren Abend.

Hier ist der 25. der Christmasday und wird sogar auch gefeiert, es kommt natürlich auf die Religion an. Eine hinduistische Mitarbeiterin von uns hat uns erzählt, dass sie nach Bauria in die Kirche geht und da haben wir beschlossen, uns das Ganze einmal anzusehen.
Die Kirche war ziemlich geschmückt, für mich persönlich nicht hundertprozentig weihnachtlich aber egal, und es wurde wahrscheinlich ein Gottesdienst vorbereitet. Der hat aber auch  nach einer Stunde nicht angefangen, weshalb wir dann wieder nach Hause sind.
Und dann heute haben wir normal gearbeitet, seit dem 15.12. haben wir Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag ja das Holiday Camp.
Abschließend zur Weihnachtszeit, ja auch wenn die Weihnachtszeit eigentlich bis zum 6.1. geht, kann ich sagen, dass ich zwar kein indisches Weihnachten hatte, aber nichtsdestotrotz mit den Kleinigkeiten von meiner Familie und dem gemeinsamen Abend mit den Anderen, eine schöne Weihnachtszeit hatte. Ich habe gemerkt, dass es mir an Weihnachten vor allem darauf ankommt, den Tag oder die Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich mag und die mich mögen. Der Ort und die Tatsache, ob es Geschenke oder einen richtigen Weihnachtsbaum gibt, ist dabei nebensächlich.

Ihr habt ja schon das eine Maskenbild mit den Kindern vom Holiday Camp gesehen, so etwas und noch andere Sachen machen wir. Neben den Masken haben wir schon Pfaue gebastelt (das indische Nationaltier) und auch Fröbelsterne probiert, sowie Freundschaftsbänder und Böötchen. Außerdem lesen wir ab und zu eine Geschichte vor und lassen die Kinder dann ein oder mehrere Bilder dazu malen. Zudem probieren wir den Kindern Spiele wie Ligretto und Memory beizubringen, aber machen natürlich auch ein bisschen Englisch und Gymnastics. Das macht meistens ziemlich viel Spaß, auch wenn es manchmal sehr, sehr laut werden kann und die Kinder die Malfarben nicht immer gerne teilen wollen. Und unglaublich neugierig sind und alles anfassen wollen....
Trotzdem ist es ganz schön, von 10 Uhr morgens bis 17 Uhr eine Beschäftigung zu haben, mit einer Stunde Mittagspause natürlich und dann am Ende des Tages zu wissen, dass man was gemacht hat. Dazu gehören natürlich auch immer Überlegungen für den nächsten Tag, oder wie man es besser machen könnte, aber das ist eigentlich selbstverständlich und passiert meist auf dem Weg zum Markt um Obst zukaufen.
Neben dem Holiday Camp haben wir die Klassen unter der Woche verständlicherweise gerade nicht, aber auch das Wochenende ist nach wie vor manchmal recht voll, wenn nicht von Klassen, dann von Hochzeiten oder Einladungen. Ungefähr so, wie wir auf dem einen Bild aus dem Adventskalender aussehen, angezogen mit "schicken" Kleidern und behängt mit Schmuck, sollten wir eigentlich zu jeder Hochzeit erscheinen. Da unsere Saris nicht glitzern, wird uns immer gesagt, dass sie nicht schick genug für eine Hochzeit sind. Komplett deutsche Kleidung hingegen geht. Aber wer packt für einen Freiwilligendienst Abendgarderobe ein...?
Das haben wir natürlich auch nicht gemacht. Deshalb werden wir uns nun jeweils einen Anzug schneidern lassen, der dann hoffentlich Ende Januar zu der Hochzeit einer Mitarbeiterin fertig ist.

Doch zuerst "müssen" wir einmal nach Hyderabad zu unserem Zwischenseminar. Das wird wahrscheinlich ziemlich spannend, da wir zum einen die anderen Freiwilligen sehen und zum anderen davor ein paar Tage Urlaub hängen. Mit zwei Motorrädern fahren Linus und ich Richtung Hampi, Caterina sitzt bei mir hinten drauf;) Was genau wir dort machen ist noch unklar, aber man soll wohl wunderschöne Tempel besichtigen und auch ziemlich gut klettern gehen können.
Ich freu mich drauf, einfach um mal wieder eine kleine Abwechslung zu haben.
Außerdem kann ich durch den Austausch mit den anderen Freiwilligen beim Seminar noch neue Ideen sammeln, die wir hier dann umsetzten können.

Euch danke ich für das Durchlesen dieses langen Eintrages und wünsche Euch FROHE WEIHNACHTEN. Zwei Tage zu spät aber was ist schon Zeit?

Und, falls wir uns nicht mehr hören auch einen guten Start ins Jahr 2017!! Auf das all das vorgenommene klappt und die schlimmen Dinge aus dem vergangenen Jahr sich nicht wiederholen.

Liebste Grüße von eurer Emmy:)

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Adventskalender


Day One: India Gate in Delhi mit unserer Chefin :)


Day Two: Eine indische Hochzeit mit unglaublich schmucken Kleidern...


Day Three: Eine eigene Kreation des Rothis zusammengeklappt mit Banane 


Day Four: Meine Freude über den selbstgemachten Adventskalender, er ist gemeinsam mit Caterinas Mutter am 1.12. angekommen;)


Day Five  Humayun´s Tomb, Delhi


Day Six: the best place to be


Day Seven: Statt meiner Nichte hab ich ein anderes Baby auf dem Arm;)


Day Eight: In dem wunderschönen dinning room gab es mal wieder Essen, die Fotografin ist Dorothee, Caterinas Mutter :)


Day Nine: Drawingclass 


Day Ten: On our way to Digha


Day Eleven: Humayun´s Tomb erkunden


Day Twelve: Etwas dekadent aber trotzdem ein wunderbarer Abend:)


Day Thirteen: Streets of Kolkata by Linus


Day Fourteen: Quite busy at a meeting :P


Day Fifteen: Mit dem Start des Holiday Camps haben wir hoffentlich volle Tage;)


Day Sixteen: Keine "Sweetsixteen" mehr, aber dafür gab es zu Beginn und zum Ende des Arbeitstages einen Geburtstagskuchen :)


Day Seventeen: Nach wie vor die beste Medizin gegen alles- Fotos von der kleinen Nichte:)


Day Eighteen: Ein Zirkusbesuch mit drei Motorrädern in einer Kugel



Day Nineteen: Essenszubereitung bei dem zweiten Tag einer zweitägigen Hochzeit:)

Day Twenty: Auf dem Platz vor dem Projekt war ein Cricketspiel/tunier und wir wurden gebeten die beliebten Pokale zu überreichen....


Day Twentyone: Links unsere Hausmutter, rechts Caterina auf dem Weg zu dem Haus unserer Saira;)



Day Twentytwo: Das Holiday Camp läuft sehr sehr gut, heute haben wir Masken gemacht. Anstelle von Kindern hatten wir dann ein paar Pandas, Elephanten, Harry Potters/Zauberer, ein pinkes Einhorn und zwei sehr unterschiedliche Hasen;)



Day Twentythree: Meine Hausmutter und ich bei der letzten Hochzeit. Nur was steht dort geschrieben?


Day Twentyfour: Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest:)



Sonntag, 27. November 2016

Die Momente danach

"We spent some time
Together walking
Spent some time just talking
About who we were"
The Perishers



So in etwa verbringe ich meine freien Stunden, ob mit Caterina an den meisten Tagen, oder mit Henryk und besonders mit Linus an unserem freien Tag.
Man hört ja oft, dass Jugendliche durch den Freiwilligendienst erstaunlich reflektierend werden... Das stimmt sogar.. Also es ist eigentlich notwendig, da man wahrscheinlich irgendwann feststecken würde und nicht mehr weiterwüsste.

Für meinen weltwärts-Dienst muss ich alle drei Monate einen Zwischenbericht schreiben und dabei unteranderem einen normalen Tagesablauf schildern. Da stellt sich mir die Frage, wie ich das machen soll. Gerade gehen wir selten in die Schulen, da in Indien gerade die Examenphase angefangen hat. Ab dem 15. Dezember machen wir ein Holidaycamp für die Kinder, in der Ankündigung stehen zwar Zeiten, aber wann die Kinder dann auftauchen, ist dann auch wieder eine Frage. Zum Beispiel heute hätten wir schon mindestens 3-4 Klassen gehabt, bisher ist aber noch niemand aufgetaucht.... Gerade macht es mir nichts aus, da ich mich mit anderen Sachen beschäftigen kann, aber manchmal wünscht man sich doch wenigstens zwei, drei Kinder her.... An anderen Tagen werden wir schier überrannt und ich komme eher weniger dazu mich in das Bengalilernen zu vertiefen, als mir lieb ist. 
Man muss sich hier sehr schnell auf sehr vieles einstellen können. 

Auch darauf, dass die Organisation fünf Tage bevor sie ein großes Meeting in Kolkata halten will, anfängt, dies zu planen. Dann müssen alle mithelfen, nebenbei läuft aber noch ein anderes Programm und am Samstag kommen noch einige Mitarbeiter von einem Ableger NOSKKs hier her, um zu irgendeinem Thema sich weiterzubilden... Nichtsdestotrotz waren zwei Besuche angekündigt, die sich auf eine ganz faszinierende Art und Weise zwischen die laufende Weiterbildung, Essen und eine sehr beeindruckende Tanzchoreo geschoben haben.
Dass das alles dann doch ziemlich gut zusammen und aufeinmal klappt, finde ich ziemlich beeindruckend...
Und wenn wir eine Inderin kennenlernen, die ihre Arbeit so beschreibt: "Well, first I raised my son, like all indians do and now I work with NGOs...", dann weiß ich persönlich, dass es sich lohnt auch langweilige Tage auszuhalten. Da ihr Sohn europäisches Essen sehr sehr gerne mag, kann sie wohl Sachen wie Pizza und Pasta ziemlich gut kochen und hat uns gleich eingeladen. Dann würde sie etwas für uns kochen. Aber bitte an einem Wochentag, da sie Sonntage nicht so gerne hat, da dann ihr Mann zuhause ist....;)

Man trifft immer wieder unglaubliche Menschen und hat wunderbare Begegnungen. 
Trotz schon fast drei Monaten in der Nähe von Kolkata und ausgiebiger Erkundungstouren dieser Stadt, findet man immer wieder Orte, die einen zweifeln lassen, wo man sich gerade auf der Welt befindet. Man fühlt sich manchmal wie um 100 Jahre zurück versetzt, oder aber zum heutigen Zeitpunkt, der Ort könnte sich aber genauso gut in einem anderen Erdteil befinden.

Und sowas finde ich toll... Trotz einer Zeitspanne von drei Monaten, die ich nun schon hier bin, kann ich oftmals was Neues entdecken und mich in neue kleine oder große Sachen verlieben.

Die Arbeit ist manchmal sehr spannend, meine Malklassen starten gerade mal mehr mal weniger und es ist ziemlich spannend zu beobachten, wie und vorallem was die Kinder malen. Dabei ist aber immer wieder deutlich zu sehen, dass sie teilweise nur selten die Gelegenheit haben zu malen und wenn doch, dass sie oftmals irgendetwas abmalen.... Beim letzten Mal habe ich ihnen gesagt, dass sie bitte ihr Dorf oder ihr Haus malen und das hat auf eine ganz süße Art und Weise geklappt. Die Sache mit den Stiften ist etwas nervig manchmal, da sie meistens denken, dass der Malkasten, den ich vor die einzelnen Kinder gestellt habe, ihnen für die Malstunde gehört und man nicht einfach mal sich einen Stift bei seinem Nachbarn ausleihen kann, aber wir haben ja noch ein paar Stunden um das zu üben:)

Das, was wir bisher erreicht haben, ist manchmal schon etwas... Und wir freuen uns, dass Caterinas Mutter zeigen zu können, die in 4 Tagen kommt. Wir planen einen kleinen Deutschlandabend, um unseren Mitarbeitern ein bisschen etwas von unserer Heimat zu zeigen und auch um die kommende Adventszeit zu erklären. Die für mich, glaube ich, manchmal ganz schön komisch wird... Aber mit Plänen für Weihnachten , die unteranderem Lasagnebacken beinhalten, lässt es sich hoffentlich ganz gut ertragen;)

Anstelle eines Adventskalenders mit Süßem, habe ich vor, jeden Tag ein Bild zu posten, von den letzten Wochen hier oder auch vom selbigen Tag. Um euch, dort draußen, ein bisschen bildlicher mitzunehmen. Und vielleicht schafft es ja einer von euch, jeden Tag das neue Bild zu sehen:)
Ich hoffe selbst, dass ich dran denke und freue mich den folgenden Monat.

The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,


And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.


I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I —
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Robert Frost